Hallo zusammen,
wir haben den Antrag mit unserer Delegation und im Stammesrat diskutiert und spiegeln euch hier unsere Gedanken.
Die angekündigte Beitragserhöhung kommt für uns sehr plötzlich. Hier fehlten uns die Partizipationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel bei der Stute oder der Landeschmiede. Dadurch entsteht der Eindruck, dass in den vergangenen Jahren kein ausreichender Überblick über die finanzielle Lage des Landesverbands vorlag und jetzt kurz vor der LDV bemerkt wurde, dass in den kommenden Jahren Geld fehlt. Ich möchte nicht sagen, dass es so war, aber der Eindruck ist entstanden. Der Antrag zur Beitragserhöhung wurde schließlich kurz vor Ablauf der Antragsfrist gestellt und ist ein aus unserer Sicht nicht nachvollziehbarer Betrag. Bitte legt eure Kalkulation offen, wie ihr genau auf 20 Euro kommt. Warum nicht 18 oder 22 Euro?
Ein großes Problem sehen wir darin, dass die Kosten für die Landes- und Bundesmitgliedschaft zunehmend steigen, während der Nutzen – insbesondere durch die sinkende Anzahl an Kursplätzen – im Verhältnis zu den Kosten abnimmt. Ich behaupte, dass bei vielen Stämmen bereits jetzt die Bundes- und Landesbeiträge mehr als 50% des Jahresbeitrags ausmachen – und das wird nach der geplanten Erhöhung wahrscheinlich noch stärker zutreffen. Dies lässt sich nur schwer gegenüber meinen Mitgliedern rechtfertigen, wenn der Großteil der Wertschöpfung in den Stämmen geleistet wird und mehr als die Hälfte der Kursanmeldungen aufgrund von Platzmangel abgelehnt wird.
Danke, Malte und Freddy, für die zusätzlichen Informationen. Wir stimmen euch zu, dass sich der Landesverband in einem strukturellen Defizit befindet und Handlungsbedarf besteht. Allerdings irritiert uns die Entwicklung der Jahresabschlüsse des LVs: Warum wird das strukturelle Defizit erst jetzt erkannt und jetzt erst gehandelt?
Die Kosten für Materiallager und die LGS haben sich seit 2024 doch nicht verändert und waren doch auch schon im Haushalt 2025 berücksichtigt. Es müsste doch bereits 2025 klar gewesen sein, dass der Landesverband deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen hat. Die von Malte gennannten konkreten Kostenerhöhung (Unterkunftskosten, Verpflegungskosten, Ticketpreise) sind doch von 2025 bis 2026 nicht dermaßen gesprungen.
Am Wochenende habt ihr jetzt auch die Abschlussaufstellung veröffentlicht. Es wäre am besten gewesen, wenn der mit dem Antrag veröffentlicht worden wäre.
Vielleicht könnt ihr mal darüber nachdenken, ob ihr zukünftig den Jahresabschluss und den Vorstandsbericht auch auf mitreden zu veröffentlichen. Gerade Finanzfragen lassen sich besser im Vorhinein beantworten und diskutieren als auf der Versammlung. Wir haben nämlich noch ein paar Fragen vorweg gesammelt:
- Welche Veranstaltungen sind in der Position „LV-Veranstaltungen“ konkret enthalten? Welche nicht?
- Wie viele Bildungstage gab es im Jahr 2024 und 2025? Wie sind diese auf die Veranstaltungen verteilt? Wie hoch werden diese voraussichtlich 2026?
- Welche Sofortmaßnahmen wurden bereits für das Jahr 2026 getroffen, um das Defizit auszugleichen? Gibt es hier schon Ergebnisse? Welche werden noch getroffen?
- Wie sind die restlichen Rückstellungen strukturiert? Zu welchem Zweck und auf welcher Beschlusslage?
- Welche Maßnahmen plant ihr für die Jahre 2026 und 2027, um die TN-Tage zu erhöhen? Welche Zielsetzung habt ihr diesbezüglich (z.B. +10%)?
- Welche Pläne und Strategien gibt es im Jahr 2026 für Fundraising?
- Wie hoch ist die CO₂-Kompensation für das Jahr 2025? Wie berechnet sich diese? Wie hoch ist diese für 2026 geplant?
- Welche vertraglichen Mindestlaufzeiten/Index-Klauseln bestehen für die Anmietung von LGS und Materiallager und welche Verhandlungsoptionen sind für 2026 realistisch?
- Welcher Riskopuffer besteht weiterhin für 2026 und 2027 falls die TN-Tage weiter sinken?
- Wie werden zukünftig die laufenden Defizite für 2027 und 2028 finanziert, die sich nicht über eine Beitragserhöhung tragen? Wann haben wir die „schwarze Null“ erreicht?
- Ein sehr großer Teil des Aufwands in der Abschlussaufstellung/Haushaltsplan ist der JFG-Aufwand. Wie ist dieser strukturiert? Wie hoch ist die Differenz zwischen Ertrag und Aufwand?
- Wie viel kostet jährlich die StuTe?
- Wie viel kosten die Landesschmieden?
- Was kosten die Landesleitungssitzungen?
- Was kosten jährlich die Kurse?
- Wie viel Geld wird ausgegeben, um die TN-Beiträge von LBs für Wochenendveranstaltungen zu subventionieren?
- Was kostet die Streichung der TN-Beiträge von Teamern für Kurse? Wie bewertet ihr den Effekt auf die Anzahl der Kursteamenden?
- Woher kommt die Differenz aus den geplanten Ausgaben von 80.000€ zu den 112.000€?
Wir erkennen an, dass die Mitgliedsbeiträge für 2027 erhöht werden müssen, da sich der Landesverband in einem strukturellen Defizit befindet. Wir können allerdings nicht die Einsparprüfungen nachvollziehen. Malte sprach davon, dass folgende geprüft worden sind:
1) Mietkosten: vertraglich gebunden
Ja, das stimmt grundsätzlich, aber ist es tatsächlich so fest, wie es hier dargestellt wird? Die Eigentümer der LGS könnten bei einem Mieterwechsel schließlich teurer an andere Parteien vermieten. Ihr habt als Vorstand auf der Landeschmiede selbst einen Workshop zur Zukunft der LGS durchgeführt und im November in Oldenburg eine Alternative betrachtet. Gäbe es hier keine Möglichkeit, hättet ihr doch die Räume des alten Postgebäudes am Bahnhof in Oldenburg erst gar nicht besichtigt.
2) Personal: Entlassungen kommen nicht in Frage
Das ist verständlich, aber es gibt auch andere Wege, um Personalkosten zu senken ohne gleich Mitarbeitende zu kündigen. So schwarz/weiß ist es nicht – z. B. ist der Landesverband nicht verpflichtet, jede tarifliche Erhöhung des TVöD mitzutragen.
3) Kursstättenwahl: wird regelmäßig überprüft
Welche Alternativen wurden, dabei geprüft?
Wie genau sieht die Überprüfung aus?
4) Streichung der Fahrtkostenerstattung: möglich, jedoch mit erheblichem Risiko für Motivation und Ehrenamtsbindung
Ja, unabhängig davon sollten Fahrtkosten weiterhin erstattet werden. Eine Veranstaltung sollte schließlich je nach Wohnort des Teilnehmenden denselben Preis haben. Habt ihr betrachtet, wie ihr Teilnehmende motivieren könnt möglichst kostengünstig zu fahren?
5) Ausfall von Veranstaltungen kritisch hinterfragen
Das kritisch zu hinterfragen ist das Mindeste, aber was ist dabei herausgekommen? Wir haben nicht den Eindruck, dass die Erstattung der Teilnehmerbeiträge für Teamende im vergangenen Jahr viel geholfen hat. Der Basiskurs für Ostern 2026 ist ja fast ausgefallen.
Welche Maßnahmen werden zukünftig getroffen, um sicherzustellen, dass für Kurse ausreichend Teamleitungen und Teamer gefunden werden?
Aus Sicht unserer Delegation gibt es drei Kosteneinsparungsansätze, die auf der LDV diskutiert werden sollten, bevor wir Jahresbeiträge erhöhen.
1) Streichung der Erstattung der Teilnahmebeiträge für Teamende
Kurse sind das wichtigste und wertvollste Angebot des Landesverbands für die Stämme. Die Grundidee, den Teamenden Wertschätzung durch diese Erstattung entgegenzubringen, ist gut. Unsere Delegation hat dem Antrag letztes Jahr zugestimmt, da die Aussage war, dass diese Maßnahme den LV finanziell nicht belastet. Jetzt scheint es, als würde es doch zu einer finanziellen Belastung führen.
Wir müssen die etwa 8.000 bis 10.000 (Wir lassen uns gerne korrigieren) Euro jährlich einsparen. Statt nach Gießkannenprinzip pauschal auf einen Beitrag zu verzichten, sollten wir eher nur in Härtefällen den Beitrag subventionieren.
2) CO₂-Ausgleichszahlungen
Im Antrag zur CO₂-Kompensation steht: „Sollte es die finanzielle Lage des Landesverbandes nicht hergeben, kann eine Kompensation ausgesetzt werden.“
Wenn der Jahresbeitrag so stark angehoben werden muss und wir ein Defizit haben, sind wir der Ansicht, dass die finanzielle Lage derzeit keine CO₂-Ausgleichszahlungen zulässt. Wir könnten stattdessen darüber nachdenken, die Reisekosten für PKWs zu reduzieren, um Menschen zu motivieren, mit dem Zug zu fahren.
3) Erhöhung der Teilnehmerbeiträge
Mit steigenden Kosten ist es auch nicht verwerflich, wenn auch mal die TN-Beiträge angehoben werden. Die letzte Stute und die letzte Landeschmiede haben jeweils für Personen aus den Stämmen 20 € gekostet, wenn diese nicht kostendeckend sind, sollten hier Beiträge erhöht werden.
Aktuell ist die Idee alle Teilnahmebeiträge um 25% anzuheben. Unter diesen Voraussetzungen könnten die 20 € gerade reichen.
Ist das eine Idee oder ein Plan? Malte hat diesen Punkt zunächst nicht mit aufgeführt. Falls dieses auf dieser LDV geschehen soll, unterstützten wir einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag.
Für Wochenendveranstaltungen könnten die Kosten auch um mehr als 25% ansteigen. Wir halten einen Wochenendbeitrag von 30 € halten wir für angemessen. Er entspricht dem derzeitigen Preisniveau für vergleichbare Veranstaltungen anderer Verbände. Wenn das für Einzelpersonen nicht finanzierbar ist, finden sich im Härtefall auch andere Regelungen. Innerhalb der Stämme (jedenfalls bei uns im Stammesrat) funktioniert es auch.
Lang- und Mittelfristige Kosteneinsparungen
Wenn der Landesverband jetzt drastisch die Beiträge erhöht, könnte dies dazu führen, dass er sich auf dem Status Quo ausruht, was nach unserer Meinung nach der falsche Weg ist. Sinkende Teilnehmerzahlen und damit auch weniger Ausbildungsplätze werden langfristig eher zu einem Schrumpfen des Landesverbands führen als zu einer Erholung. In der Folge könnten die Jahresbeiträge auch in Zukunft wieder steigen, da es weniger Mitglieder gibt, die diese bezahlen können.
1) Das Landesmateriallager
Der Landesverband gibt fast 12.000 Euro jährlich für das Material und das Lager aus. Hinzu kommen weitere Kosten durch die Landesbeauftragten. Lohnt sich der finanzielle und personelle Aufwand?
Hauptsächlich wird das Material in größeren Mengen für zwei Basiskurse sowie den KfS/KfRR benötigt, ab und zu noch für das Landespfingstlager.
Ist geprüft worden, ob das Leihen von Material aus den Stämmen gegen Entgeltmiete gemäß dem Beschluss “Entgeltlicher Materialverleih” von 2024 günstiger ist, als eigenes Landesmaterial vorzuhalten (Anschaffung, Instandhaltung, Lagerung)? Das Geld bliebe dann im Verband (Stämmen) als in Privatwirtschaft.
Abseits davon halten wir die Monatsmiete für sehr teuer. Wir mieten in Oldenburg im ehemaligen Postgebäude am Bahnhofsplatz aktuell etwa 100 m² Lagerfläche für 350 € im Monat inklusive LKW-Rampe und Lastenfahrstuhl. Die Fläche ist direkt neben dem Bahnhof und in der Nähe der LGS. Neben uns sind auch noch freie Flächen.
2) Die LGS
Wir möchten die Diskussion um die Landesgeschäftsstelle konstruktiv weiterbringen. Auf unseren Vorschlag hin hat der LV‑Vorstand Räume im ehemaligen Postgebäude am Bahnhof in Oldenburg besichtigt. Es wurden dort alle Räume der fünften Etage angeboten. Nach Auskunft des Eigentümers sei bislang keine Rückmeldung des LV‑Vorstands auf dieses Angebot erfolgt.
Die angebotenen Flächen ließen sich so zuschneiden, dass LGS und Landesmateriallager im gleichen Gebäude betrieben werden könnten; Umbauten wären nach Absprache mit dem Eigentümer aus Eigenmitteln möglich. (Vorteile: zentrale Lage, kurze Wege, Synergien zwischen Verwaltung und Material, perspektivisch geringere Logistik‑/Transportaufwände.)
Aus Gesprächen mit dem LV‑Vorstand haben wir verstanden, dass die Fläche im 5. OG als zu groß eingeschätzt wird – auch dann, wenn das Landesmateriallager mit einbezogen würde. Zudem besteht der Wunsch, das Materiallager nach dem Umzug 2024 nicht erneut zu verlagern, selbst wenn sich dadurch die Gesamtkosten senken ließen. Unsere Idee einer Untervermietung von Teilflächen an den Stamm Parzival (zur Verkleinerung des LGS‑Flächenbedarfs und damit der Nettokaltmiete) wurde bislang nicht weiterverfolgt. Nach unserer Kenntnis liegt der Quadratmeterpreis im Postgebäude deutlich unter dem am aktuellen Standort in der Donnerschweer Straße 92.
Fazit
Unsere Delegation lehnt den Antrag in der aktuellen Form ab und plädiert für Maßnahmen zur kurzfristigen und langfristigen Kosteneinsparung. Wir halten es für denkbar, den Jahresbeitrag auf ein Jahr befristet zu erhöhen, um die bestehenden Defizite abzubauen.