Antrag 8: Verhaltenskodex

Die Bundesversammlung möge beschließen

Verhaltenskodex für den Bund der Pfadfinder*innen e.V.

Wir möchten, dass alle Menschen bei unseren Aktivitäten mitmachen können. Wir akzeptieren keine Gewalt oder Diskriminierung. Wir sorgen dafür, dass sich alle bei uns willkommen, sicher und wohl fühlen. Unsere Pfadfinder*innenregeln sind Grundlage unseres Handelns.

Ich achte auf die Privat- und Intimsphäre jedes Menschen.

Das bedeutet: Ich darf selbst entscheiden, wie nah mir eine Person zu jeder zeit kommt. Ich habe das Recht „Nein“ oder „stopp“ zu sagen. Ich habe das Recht, mir Unterstützung bei z.B. Kontaktpersonen, Landes- oder Bundesebene und im Stamm zu holen, wenn es mir nicht gut geht.

Das bedeutet außerdem: Ich schaffe ein Umfeld, in dem offen über Grenzen gesprochen werden kann. Ich respektiere die Grenzen anderer. Ich achte darauf, dass niemand in einer Situation bleiben muss, in der sich die Person nicht wohl fühlt. Ich gehe vertraulich damit um, wenn jemand bei mir Unterstützung sucht, helfe so gut ich kann und suche mir selber Hilfe, wenn ich überfordert bin.

Ich achte auf einen angemessenen Sprachgebrauch.

Das bedeutet: Ich achte auf eine respektvolle, altersgerechte, wertschätzende und geschlechtersensible Sprache. Humor, Sarkasmus und Ironie setze ich angemessen ein. Ich vermeide diskriminierende oder verletzende Sprache bei mir und unterbinde sie bei anderen.

Ich achte auf die Wirkung meines Auftretens und meiner Haltung.

Das bedeutet: Ich bin mir bewusst, dass ich und andere nicht perfekt sind. Ich nehme eine akzeptierende und wertschätzende Haltung gegenüber mir selbst und anderen ein. Ich achte bewusst darauf, wie meine Haltung und mein Verhalten auf andere wirken, und behandle alle mit Respekt. Ich nehme Feedback an, um mich weiterzuentwickeln.

Das bedeutet außerdem: Ich stelle mich klar gegen grenzverletzendes Verhalten. Ich spreche mein Gegenüber auf Augenhöhe an, ohne laut zu werden, Drohungen auszusprechen oder einzuschüchtern. Ich behandle alle Menschen fair und zwinge niemanden dazu, etwas zu machen, was Angst, Ekel oder Unwohlsein erzeugt.

Ich bin sorgsam im Umgang mit Daten.

Das bedeutet: Ich darf selber entscheiden, ob und wann ich fotografiert oder gefilmt werde und was mit diesen Aufnahmen passiert.

Das bedeutet außerdem: ich teile keine persönlichen Daten anderer wie Adresse, Telefonnummer oder private Fotos ohne ihre Zustimmung.

Ich fördere Beteiligung und Mitbestimmung.

Das bedeutet: Ich habe das Recht mitzubestimmen. Dazu gehört auch, welche Lieder ich mitsinge, welche Spiele ich spiele und welche Traditionen ich wahre.

Das bedeutet außerdem: Ich achte auf Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse anderer und begegne ihnen mit Offenheit.

Darüber hinaus soll folgende Erläuterung auf dem Verhaltenskodex Platz finden:

Ein Verhaltenskodex oder -grundsatz gibt einen Rahmen vor, um das eigene Handeln zu reflektieren. Er hilft dabei, über das eigene Verhalten und das der Gruppe nachzudenken und gemeinsam festzulegen, wie der Umgang miteinander gestaltet wird. Der Verhaltenskodex des BdP ist die Richtlinie für das Miteinander im Verband. Seine Grundlage sind die Pfadfinder*innenregelen, beide sind für alle Mitglieder verbindlich.

Antragsteller*innen

Bundesvorstand (Lukas Schmuck, Marina Pyko, Wanda Rosmus, Sonja Coulin, Philip Taubmann, Alexander Schmidt)
Kontakt: Marina Pyko (marina.pyko@pfadfinden.de)

Begründung

Ein Verhaltenskodex ist ein wichtiger Baustein für Sicheres Pfadfinden im BdP. Ein solches Papier mit Leben zu füllen, nach diesen Werten im Alltag zu handeln und dadurch eine gemeinsame Haltung zu etablieren, liegt an uns allen. Im Rahmen des neuen Schutzkonzepts wurden Vorschläge für einen neuen Kodex entwickelt. Mit Feedback aus den Landesverbänden, insbesondere aus dem Landesverband Hessen, ist nun dieser neue Verhaltenskodex entstanden. Er findet in der Praxis schon Anwendung, wir wollen das Ganze an dieser Stelle einmal glattziehen und offiziell darüber abstimmen. Darüber hinaus dient der Verhaltenskodex als Basis für jeden Stamm, für jede Meute, Sippe oder Runde und für jede Aktion, sich über gemeinsame Regeln des Miteinanders zu verständigen.

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[Servicepost]

Liebe Delegierte, liebe Interessierte, liebe Mitlesende,
schön, dass ihr hier seid und unsere Mitreden-Plattform nutzt! Um die Diskussionen noch konstruktiver und zielführender zu gestalten, haben wir in diesem Jahr ein Team aus Moderator*innen - bestehend aus Mitgliedern des Bundesvorstands, der Bundesleitung und des hauptamtlichen Teams im Bundesamt. Ich bin eine davon: Heike, Referentin der Bundesleitung und seit 2020 beim BdP.
Zusammen mit Leon und Alex werde ich in den nächsten Wochen immer mal wieder in die Threads hier auf Mitreden schauen und - wenn nötig - an die „Spielregeln“ erinnern. Diese findet ihr hier: Über die Kategorie BV 2026 . Kurz und knapp gefasst: Seid nett und konstruktiv; bleibt beim Thema; es ist nicht nötig, dass alles von allen gesagt wird. :wink:
Wenn es erforderlich ist, werden wir als Moderationsteam auch auf Einzelne direkt zugehen oder konkret eingreifen. Bei Fragen kommt gerne auf uns zu.

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Hallo,

Bei dem Pfadfinderversprechen verspricht jeder, dass er nach den Regeln der Pfadfinderinnen und Pfadfinder leben möchte. Beinhaltet das nicht all das, was in dem Verhaltenskodex enthalten ist? Was ist der Sinn dahinter, dies nochmal in einen Kodex zu fassen? „Entwerten“ wir damit nicht unser Pfadfindergesetz?

Gut Pfad
Jakob

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Hey Jakob,

Ich möchte dir da teilweise widersprechen. Wir haben ja auch vorher schon einen Verhaltenskodex gehabt (https://kiwi.bdp-bawue.de/wp-content/uploads/2016/10/intakt_verhaltenskodex_web.pdf oder auch auf den intakt-Postkarten; dort steht, seit 2003, 2011 dann überarbeitet, da passt doch 2026 auch wieder eine Überarbeitung gut rein)

Dieser war zwar deutlich näher an den Pfadiregeln formuliert, aber hat diese auch konkretisiert. Das macht der neue Kodex auch wieder. Im aktuellen Schutzkonzept (https://www.pfadfinden.de/fileadmin/images/5_Kinderschutz/102004-0525_Schutzkonzept.pdf) ist dies auch so auf S. 10, wo es um den Verhaltenskodex geht, formuliert:

Der Verhaltenskodex des BdP dient als Richtlinie für das Miteinander im Verband. Seine Grundlage sind die Pfadfinder*innenregeln, die für alle Mitglieder verbindlich sind.

Deswegen finde ich eine Konkretisierung bzw. Erklärung der Pfadiregeln, insbesondere für den Kinder- und Jugendschutz, ist keine „Entwertung“ unserer Pfadiregeln sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Aber vielleicht kann man das zumindest bei der Gestaltung des Verhaltenskodexes mit aufnehmen, dass die Pfadiregeln die Grundlage sind, so wie es im Schutzkonzept auch erwähnt wird.

Herzlich Gut Pfad
Torben

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Ich finde den vorgeschlagenen Verhaltenskodex in vielen Punkten nachvollziehbar und die dahinterstehenden Ziele wichtig. Trotzdem macht mich der Antrag ehrlich gesagt auch traurig.

Der BdP hat sein Verständnis von Miteinander früher immer stark aus den Pfadfinderregeln heraus begründet. Genau das war für mich eine unserer großen Stärken: Dass wir Werte wie Respekt, Verantwortung, Rücksichtnahme oder den Schutz anderer nicht in einer Sprache aus Verwaltung, Pädagogik oder Leitlinien formuliert haben, sondern pfadfinderisch – aus unserem eigenen Selbstverständnis heraus.

Die Pfadfinderregeln regeln unser Miteinander im Bund bereits sehr umfassend. Sie sind nicht nur Tradition, sondern unser gemeinsamer Wertekern. Wenn wir anfangen, diese Inhalte zunehmend in allgemein gehaltene Verhaltenskodizes zu übersetzen, entfernen wir uns aus meiner Sicht ein gutes Stück von unserem eigentlichen Markenkern.

Gerade im Unterschied zu anderen Verbänden wie dem VCP oder der DPSG war der BdP für mich immer besonders darin, Dinge mit Stil, Klarheit und echter pfadfinderischer Haltung zu formulieren. Das war etwas Eigenes und Wiedererkennbares.

So wie der Text jetzt formuliert ist, wirkt er auf mich leider eher wie ein Kodex, der auch bei vielen anderen Jugendverbänden stehen könnte. Ich habe Sorge, dass wir dadurch ein Stück unserer Identität und Eigenständigkeit verlieren und austauschbarer werden.

Das finde ich wirklich schade.

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Diese Antrag wurde am 03.06. in einer der Antrags-WebKos besprochen. Dabei kamen die folgenden Themen auf:

  • Hat der Verhaltenskodex Ordnungscharakter?
    • Ein Baustein des Schutzkonzepts und nicht nochmal explizit Bestandteil anderer Ordnungen

Der Antrag wurde auf der 55. BV in der vorliegenden Form einstimmig angenommen.