Die Bundesversammlung möge beschließen
Der Bundesvorstand wird beauftragt eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche prüft, wie die Position von Bundesvorständen zukunftsfähig und nachhaltig aufgestellt werden kann. Dazu gehört insbesondere
- die Vermeidung der Überlastung von Einzelpersonen bzw. dem Vorstand als Ganzes, sowie
- eine Ausgestaltung der Vorstandsrolle so, dass diese weiterhin verlässliche Ressource für den Bund und insbesondere auch die Landesverbände sein kann
- Und nicht nur von Personen in außergewöhnlichen Lebenssituationen1wahrgenommen werden kann.
Dabei soll explizit nicht die Gesamtstruktur des BdP im Sinne eines Gesamtblicks auf die Verbandsentwicklung analysiert werden, sondern insbesondere die Verantwortungsbereiche, Arbeitsrealitäten des Vorstandes und das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt betrachtet werden. Dabei soll insbesondere auch die Option einer hauptamtlichen Ausgestaltung des Bundesvorstands geprüft werden.
Für diesen Prüfauftrag wird eine Arbeitsgruppe mit diversen Erfahrungen eingesetzt, die bis zur Bundesversammlung 2027 eine entsprechende Analyse aufstellt, dort präsentiert und im Rahmen dessen Vorschläge zur Überarbeitung der Rolle des Bundesvorstandes einbringt. Die Arbeitsgruppe berichtet zu mindestens einem der Bund-Land Treffen zu ihren Zwischenergebnissen und ist mit einer Feedbackgruppe aus relevanten Stakeholdern in Kontakt.
1 Gemeint ist die Beobachtung, dass ein Vorstand mit ausschließlich vollzeitarbeitenden Menschen nicht funktionieren kann. Mind. einige Vorstandsmitglieder müssen in einer Lebensphase/einem Job sein, der eine hohe, kurzfristige Flexibilität ermöglicht.
Antragstellende*r
Bundesvorstand (Lukas Schmuck, Marina Pyko, Wanda Rosmus, Sonja Coulin, Philip Taubmann, Alexander Schmidt)
Kontakt: Lukas Schmuck (Lukas.schmuck@pfadfinden.de)
Begründung
Der Bundesvorstand des BdP ist wie alle anderen Ämter im BdP ehrenamtlich ausgestaltet. Dieses Modell hat den Verband über viele Jahre getragen und ist damit auch zentrales Element in den Strukturen auf Bundesebene. Gleichzeitig haben sich jedoch die Anforderungen, die Komplexität sowie die Verantwortung des Amtes in den vergangenen Jahren deutlich verändert und erweitert.
Bereits jetzt liegen bei dem Bundesvorstand eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Dazu gehören insbesondere die strategische Verantwortung für inhaltliche Themen und die Weiterentwicklung des Verbandes, die Personalverantwortung für den verbandlichen Teil des Bundeszentrums, sowie für den Wirtschaftsbetrieb des Zentrum Pfadfinden, die Beratungsfunktion gegenüber ehrenamtlichen und hauptamtlichen Führungspersonen sowie eine zentrale Rolle in Ausschlussverfahren, wie auch Interventionen und Konflikten. Gleichzeitig ist in vielen Bereichen eine zunehmende Zentralisierung auf Bundesebene zu beobachten, wodurch zusätzliche Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse beim Bundesvorstand zusammenlaufen.
Diese Situation besteht unabhängig davon, ob alle Positionen im Bundesvorstand besetzt sind oder ob Vakanzen bestehen. Schon unter regulären Bedingungen treffen zu viele Themen gleichzeitig beim Bundesvorstand zusammen. Die Folge sind hohe zeitliche und mentale Belastungen, eine faktisch erwartete dauerhafte Verfügbarkeit, ein hohes Maß an Calls, Abstimmungen und Beratungen sowie ein permanentes Wechseln zwischen sehr unterschiedlichen Themenfeldern. Der Anspruch, sowohl einen strategischen Gesamtüberblick zu behalten als auch in einzelnen Themen ausreichend tief einzusteigen, führt dabei zu einer zusätzlichen Belastung.
Für einzelne Vorstandsmitglieder bedeutet das eine enorme Zusatzbelastung neben dem Alltagsleben. Gespräche mit den Ehrenamtlichen auf Bundesebene, den Landesvorständen, Mails und Eigenarbeit summieren sich in normalen Wochen regelmäßig auf weit über 20 Stunden - ohne die Wochenenden. Hier sind meistens 3 von 4 Wochenenden im Monat verplant. Zusätzlich kommen noch häufige Termine unter der Woche während der Arbeitszeit in Immenhausen (Personalgespräche, Job Interviews oder Baugespräche etc.). Dadurch entsteht ein struktureller Konflikt zwischen Beruf, Studium oder Ausbildung, Privatleben und dem Ehrenamt im BdP. Aufgrund der hohen Anforderungen an das Amt und der starken intrinsischen Motivation vieler Amtsinhaber*innen verschiebt sich diese Balance häufig zugunsten des Verbandes.
Dies birgt langfristig Risiken sowohl für die persönliche Belastbarkeit einzelner Menschen als auch für die nachhaltige Besetzbarkeit des Bundesvorstandes insgesamt.
Andere Pfadfinder*innenverbände haben auf vergleichbare Herausforderungen bereits mit unterschiedlichen Strukturmodellen reagiert. Im VCP existiert beispielsweise ein starkes Generalsekretariat mit inhaltlicher Verantwortung sowie ausgeprägten Referentinnenstrukturen in den Arbeitsbereichen. In der DPSG und der PSG werden die Bundesvorstände vollständig hauptamtlich ausgeübt. Diese Beispiele zeigen, dass unterschiedliche Modelle existieren, um Verantwortung, Arbeitslast und strategische Steuerung nachhaltig zu organisieren.
Wie in der Zielformulierung des Antrags beschrieben, soll dieser Antrag keinen erneuten Gesamtprozess der Verbandsentwicklung anstoßen, sondern sich explizit auf die Gestaltung des Amtes des Bundesvorstands fokussieren und dabei auch, aber nicht nur, die zugegebenermaßen kontroverse Option einer hauptamtlichen Ausgestaltung der Rolle in den Blick nehmen. Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Antrag eine vielleicht auch Identitäre aber aus unserer Perspektive notwendige Diskussion im BdP anstoßen. Wo übersteigt das Ehrenamt das Leistbare. Sei es durch die Komplexität der Themen oder die Tatsache Vorgesetzter für über 20 Mitarbeitende zu sein. Die Arbeitsgruppe wird keine Antwort für unsere grundsätzliche Idee von Engagement im BdP liefern - das soll sie auch nicht. Sie soll aber unter Berücksichtigung dieser Komplexität Überlegungen für ein nachhaltiges Vorstandsamt vorschlagen.
Um diese Fragestellung fundiert bearbeiten zu können, soll eine diverse, aber mit entsprechenden Erfahrungen ausgestattete Arbeitsgruppe eingesetzt werden. Diese soll Perspektiven aus aktueller und ehemaliger Bundesvorstandsarbeit, der Bundesgeschäftsführung, erfahrenen Ehrenamtlichen sowie externem Wissen, beispielsweise durch WOSM Service, zusammenführen. Ergänzend soll eine Feedbackgruppe aus Landesvorständen, Ringverbandsvorständen, Bundesleitungen sowie weiteren interessierten Personen den Prozess begleiten und Rückmeldungen aus unterschiedlichen Ebenen des Verbandes einbringen.
Die Ergebnisse zur Bundesversammlung 2027 sollen einen Grundstein für weitere anzustoßende Entwicklungen legen, um Veränderungen schon bis zur Wahl des nächsten Bundesvorstandes auf der Bundesversammlung 2028 herbeizuführen.