Pfadfinden im 21. Jahrhundert - Der Spagat zwischen Tradition und Moderne

Liebe BdPler*innen,
Pfadfinden schaut auf eine über 100-jährige Tradition zurück und möchte gleichzeitig Teil der modernen Gesellschaft im 21. Jahrhundert sein: Karte VS. GPS-Gerät, Lagerfotos gleich auf Facebook stellen, Handys am Lager - Dinge, die in den Stämmen zum Alltag gehören, aber sollen sie das auch?

Gestern habe ich einen interessanten Artikel der Boy Scouts of America gelesen, wie sie mit der fortschreitenden Technologisierung des Alltags als Pfadis umgehen und mich gefragt, ob wir uns auch im BdP mehr damit beschäftigen sollten, wie wir zu diesen Entwicklungen stehen.
Nicht zuletzt war eines der Themen, die u.a. auf dem PfaTeens-Ü13-Wochenende vor einigen Wochen diskutiert wurden, dass wir uns bemühen müssen, den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu schaffen anstatt ihn zu verteufeln, um die ältere Pfadistufe zu erhalten. Wie wir uns als Jugendverband heutzutage sehen, beeinflusst auch zum Beispiel mögliche Image-Kampagnen, die - nicht nur, aber auch - auf dem Ü13-Wochenende angesprochen wurde.

Wie gesagt, dass ist zuerst einmal eine Thematik, die ich interessant finde, aber noch nicht zwingend etwas BV-reifes. Ich hoffe, auf “Mitreden” kann man eine kleine Diskussion anstoßen, ob es sich lohnt, das bis zur Antragsfrist am 15. Mai weiterzuverfolgen.

Findet ihr, dass das ein aktuelles und wichtiges Thema ist oder kümmern wir uns mit Tools wie “Mitreden” schon genug darum und müssen sowas nicht extra aufrollen? Soll das auf einer BV Platz finden oder seht ihr bessere Rahmen? Was könnte man genau mit dieser Thematik machen?

Herzlich Gut Pfad,
Chrissy

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Hallo Chrissy, ich finde das Thema wichtig, richtig und vor allem zeitgemäß. Ich denke, dass man sich auf jeden Fall damit beschäftigen muss und auch mal die Werte genauer angucken sollte: Ist es wirklich so unvereinbar wie wie immer denken? Und wenn man am Ende zum Schluss kommt, dass man es wirklich nicht machen möchte - ok. Man hat es beleuchtet und eine Entscheidung fällt. Nur das Thema einfach zu ignorieren und gar nicht anzugehen finde ich unverantwortlich. Toller Vorschlag, mal gucken ob ich es schaffe, dass die nächsten Tage noch etwas weiter zu qualifizieren!

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Mir kommt es bei der Diskussion immer so vor wie bei der Torlinen-Technik-Diskussion im Fussball.

Dabei wurden doch die Pfadfinder gegründet um mit der Zeit zu gehen und modern zu bleiben. Ich finde das können wir auch machen trotz starkem bündischem Einfluss (der oft als quasi Grund genannt wird um so zu bleiben wie wir uns Pfadfinden vor 50-100 jahren VORSTELLEN).

Sobald man jedoch mal einen Blick auf andere (internationale) Pfadfinderorganisationen wirft, merkt man wie unmodern wir an manchen stellen sind…

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Wenn wir auch auf eine über 100jährige Tradition zurückblicken können, heißt das doch nicht, dass wir uns dem Fortschritt verschließen. Es gibt zwar z.B. Stämme, wo Wölflinge und Jungpfadfinder auf Lager und Fährt keine Elektronik (Handy, etc.) mitnehmen dürfen. Die Erfahrung, ein paar Tage ohne diese Dinge auskommen zu können, ist sicherlich gut. Ältere Pfadis und hier vor allem Gruppenleiter wissen um den Nutzen z.B. eines Handys auf Fahrt.

Wenn ich mir den Artikel der BSA so ansehe, sind sie prinzipiell auf dem gleichen Weg. Sie bringen ihren Mitgliedern bei, neue Dinge (wie z.B. elektronische Gegenstände) sinnvoll einzusetzen. In dem Artikel wird dies an dem Beispiel “Vergleich Taschenmesser - Handy” dargestellt. Beides sind durchaus sinnvolle Helfer und daher werden sie in die Arbeit eingebunden.

Meiner Meinung nach ist das der richtige Weg und sollte selbstverständlich sein. Ob das ein Thema für eine BV ist, glaube ich nicht. Dann doch eher für die Bundes- und Landesbeauftragten der Pfadistufe, denn diese wäre die richtige Altersgruppe für dieses Thema.

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Lieber @larsboehnke, lieber @dustin, lieber @Helmut,
vielen Dank für eure Beiträge!
Freut mich zu hören, dass das Thema generell auf Interesse stößt. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, der Bundesleitung über die BV den Auftrag zu geben, sich mit “Tradition + Moderne” strategisch zu beschäftigen (aber selbst dafür bräuchten wir noch eine konkretere Idee, wohin sich das bewegen kann).
In der Bundesleitung sind ja dann auch die Stufen-BBs vertreten, die das in ihre Stufen einbringen könnten.
Zur Frage, ob das speziell für die Pfadi-Stufe relevant ist, wie @Helmut angemerkt hat: @Sophie, siehst du das bei dir beheimatet?

Hallo @Helmut, ich bin in einigen Punkten anderer Meinung als du. Ich glaube z.B. nicht das das selbstverständlich ist.

Mittlerweile bin ich zum Schluss gekommen, dass die Menschen im BdP die entscheiden, wie mit solchem Themen im BdP umgegangen wird, eher in den oberen Ebenen sitzen und eher um die 25 Jahre alt sind. Das bedeutet oft, dass Menschen die 25 Jahre alt sind oder älter und ein komplett anderes Verständnis von der Nutzung von Technik haben (was absolut in Ordnung ist) für die breite Basis der Mitglieder die eben wesentlich jünger sind (unter 16) entscheiden, wie diese mit Technik umzugehen haben.

Natürlich finde ich es sinnvoll den bewussten und richtigen Umgang mit Medien und Technik zu vermitteln. Jedoch sind wir als BdP weder medienpädagogisch unterwegs noch tun wir das. Die Erfahrung die ich mache ist die, dass der Einfachheit halber mit Verboten gehandelt wird. und wie Pieper so schön sagt: Verbote haben noch nie eigenverantwortliches Handeln hervorgebracht.

Um also zu einem abschließenden Fazit zu kommen: Ich denke schon, dass wir uns strategisch mit dem Thema auseinander setzen müssen um eben auch den Entscheiden auf Leitungsebene Einblicke zu gewähren wie Jugendliche und Kinder heutzutage Technik wahrnehmen. Man muss hier eben den von Chrissy angesprochen “Spagat” schaffen: Bewusstes Nutzen. Konkrete Schritte könnten für mich z.B. sein

  • Verankern des Bausteins Medienpädagogik in der Ausbildung und in der pädagogischen Konzeption und somit auch Einheiten etc.
  • Aktive und strategische Nutzung von zeitgemäßen Medienformaten in der Kommunikation (Social Media etc.) und nicht wie jetzt “ein bisschen nebenher machen” (denn das zeigt meiner Meinung nach ganz gut, wie wir mit dem Thema umgehen)
  • Überlegen wie man mit der zunehmenden Digitalisierung und zunehmenden Nutzung von Mobile Devices etc. im BdP umgeht und Strategien entwickeln wie diese Entwicklung nutzbringend eingebunden werden kann und eben nicht durch restriktive Verbote einfach und nicht wirksam gelöst wird

Ich glaube das ein BV Antrag hier auch auf jeden Fall angebracht ist um das ganze Thema aus dem aktuellen Stand der eher stiefmütterlichen Handhabung herauszuheben auf ein ernsthaftes Level mit konkreten Ergebnissen. Denn auch in der Gruppenleiterlandschaft werden sicher Umbrüche stattfinden die sich auch auf die Nutzung moderner Medien und Geräte auswirken werden. Und ich persönlich werde lieber vorher tätig und agiere statt am Ende nur zu reagieren.

Hallo @larsboehnke,
nur der guten Ordnung halber:
es mir durchaus klar, dass nicht alle meiner Meinung sind - wäre ja auch schlimm :wink:
Dass es selbstverständlich ist, glaube ich auch nicht - hier hast du das kleine Wort “sollte” überlesen ("…sollte selbstverständlich sein…").
Aber ob sich Mitglieder, die unter 16 Jahre alt sind, in ihrem Umgang mit der Technik durch den Bundesvorstand beeinflussen lassen? Hier ist doch wichtiger, dass die Gruppenleiter vor Ort aktiv werden und ihnen damit vor allem nicht “von oben” kommen, sondern sie überzeugen und mit ihnen eine gemeinsame Vorgehensweise erarbeiten - ähnlich wie in dem BSA-Artikel beschrieben.
Dass dazu unsere Kurse um entsprechende Einheiten ergänzt werden müssen (Medienpädagogik), steht außer Frage.

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Hallo zusammen,

es ist auf jeden Fall ein gutes und wichtiges Thema. Meines Erachtens trifft der Punkt nicht nur die Pfadfinderstufe, sondern auch die der Wölflinge und RRs. Aber auf Landes- und Bundesebene passieren schon einige Aktionen die beides verbinden.

Als Beispiel möchte ich kurz das Sofa-Hajk nennen – die bundesweite Tagesaktion für Sippen Anfang des Jahres. Hier war es sogar Voraussetzung, dass die Sippen sich eine geeignete Internetverbindung, ein Endgerät dafür und eine Videokamera besorgen. Über Videobotschaften haben sie dann von uns Aufgaben bekommen, die in eine Spielgeschichte eingebettet waren. Die zu lösenden Aufgaben drehten sich dann um Knoten, Lieder, Kreativität, und forderten gute Zusammenarbeit der Sipplinge. Die Aktion ist sehr gut angekommen und zeigt, dass die Verbindung von Tradition und Moderne sehr gut machbar ist.

Außerdem möchte ich Helmut zustimmen: Ich sehe es auch nicht so, dass wir auf Landes-/Bundesebene solche Entscheidungen für die „Basis“ treffen. Natürlich können wir den Umgang mit neuen Medien in die Ausbildung aufnehmen und Möglichkeiten zu ihrer Nutzung aufzeigen. Die Entscheidung ob z.B. Wölflinge mit ihrem Handy am Ohr über den Lagerplatz laufen dürfen, sollten aber weiterhin die Gruppenleiter treffen.

Durch das PfaTeens-Wochenende im April haben wir einige Kernpunkte gesammelt, um die wir uns in der Pfadfinderstufe kümmern sollten und viele Ideen wie wir diese angehen können - dieses Thema ist nur eins von vielen. Für die Bundessippe war das der Startschuss für ein Langzeitprojekt. In den nächsten Monaten werden wir gut überdenken was wir wie umsetzen sollten und können. Es gehen eh ein paar Themen Richtung Ausbildung, daher ist auch die Einbindung verschiedener Gremien wichtig um einen gemeinsamen Plan zu haben was wir ändern sollten.

Diese Diskussion ist auf jeden Fall sehr gut, aber ich würde ein fundiertes Gesamtkonzept für notwendige Änderungen bevorzugen, als jetzt etwas übers Knie zu brechen worum sich dann niemand kümmert.

Gut Pfad,
Sophie
(Bundesbeauftragte für die Pfadfinderstufe)

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Sehr begrüßenswert finde ich den Gedanken, sich mit der Thematik auseinander zu setzen.

Ich denke man kann die Bundesebene da nicht außen vor lassen, weil sie nicht in den Stämmen aktiv ist. Vielmehr sollten die “höheren” Ebenen sich wohl vorallem konzeptionell damit auseinandersetzen, während den Stämmen (bzw. Bundes- und Landesverbänden auf entsprechenden Aktionen) die Umsetzung obliegt.

Zum Thema Spagat bin ich der Meinung, dass dieser durchaus zu vollziehen ist. Einerseits blickt unsere Methode auf eine lange Geschichte zurück, die sicherlich prägend war und einige Dinge sollten auch nicht in Vergessenheit geraten, da sie maßgebende Grundlagen für die Ausgestaltung unserer Arbeit sind. Allerdings sollten man sich aber auch nicht vor der modernen Welt verschließen. So ist der Spagat nicht nur zwischen analog und digital zu schlagen, sondern darüber hinaus sollten auch Bereiche wie Jugendkultur etc. nicht zu kurz kommen.

Ich denke wir haben es hier mit einer weitaus umfangreicheren Thematik zu tun, die nicht ausschließlich durch ein “ja wir gehen es an” oder “nein wir bleiben dem fern” beantwortet werden kann.

Zur Grundlage müssten erstmal Untersuchungen angestellt werden, was unsere Zielgruppe derzeit ausmacht, wie sie lebt, wie sie sich entwickelt und vor allem wo wir andocken müssen und an welchen Stellen wir eine klare Grenze ziehen können.
Die erwähnten “Tools wie mitreden” zu platzieren, heißt noch lange nicht zu modernisieren. Heißt aber genausowenig eine Tradition zu verwefen! Ganz abgesehen davon bleibt immer die Frage wie stark sie frequentiert werden. :wink:

Ein super spanndendes und sicher unumgängliches Thema für das weitere Bestehen “unserer Art von Jugendarbeit”.

Wie gesagt, eine Untersuchung vorn anzustellen, wohin die Entwicklung unserer Zielgruppe geht, hielte ich für unabdingbar um dieses Thema nachhaltig zu bearbeiten.

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Hallo, dann werde ich mal die andere Seite der Medaille hier vertreten. Vorweg ich bin Informatiker und ein absoluter Freund von Allerlei technischen Spielereien. Trotzdem bin ich ein absoluter Gegner von der Vorstellung dass gerade Smartphones zum normalen Alltag auf Fahrt oder Lager gehören sollen. Dass hat auch nix mit bündischer Prägung oder ewig gestriger Einstellung zu tun. Die Pfadfinderei hat schon immer Alternative Lebenswege zum normalen Gesellschaftlichen Einheitsbrei aufgezeigt. Des Weiteren stand schon immer die Gemeinschaft im Mittelpunkt, was wir ich meine heute mehr als je zuvor ein Schwerpunkt in unserer Gesellschaft sein sollte. Und genau da arbeiten gerade Smartphones gegen unseren Auftrag. Denn mit so einem Teil muss ich mich nicht mit den Leuten vor Ort beschäftigen. Ich kann in die virtuelle Welt verschwinden. Und diesen Wandel halte ich für zutiefst bedenklich und werde ihn auch nicht unterstützen. Das Smartphone kann auch nützlich sein egal ob als Telefon im Notfall oder auch zur Koordination von Aktionen, aber leider fällt es wohl vielen schwer sich auf die “nützlichen” Seiten zu beschränken. Und da sehe ich auch nicht den Schwerpunkt in der Pfadistufe sondern quer durch bis zu den Ältesten. Und moderne Medien oder den Sinnvollen Umgang damit in die Ausbildung aufzunehmen … Kann man machen aber ob es den gewünschten Erfolg bringt wage ich zu bezweifeln. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das der neue Medien Verzicht bisher den Leuten aus meinem Pfadfinderischen Umfeld gut getan hat. Die ersten Tage waren mühsam (Entzug) aber dann fühlten sich alle freier und unbeschwerter. Denn genau dass sollte meiner Meinung nach unser Ansatz sein. Alternativen aufzeigen und die Jugendlichen aus dieser Abhängigkeit der Technik mal rauszuholen und diese nicht auch noch zu fördern. Gut Pfad rabe

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Hallo zusammen,

eine super DIskussion. Ich finde, durch die unterschiedlichen Meinungen wird eines ganz deutlich: Am Ende liegt die Umsetzung und Ausgestaltung einzig und allein bei den Stämmen. Klar: Der BdP muss sich als Organisation mit der Thematik befassen, sich vielleicht grundsätzliche Haltungen hierzu überlegen und dann Konzepte entwickeln, die zum Beispiel auf den Kursen umgesetzt bzw. vermittelt werden.

Aber eine Sache ist doch bei uns schon immer so gewesen: Die Stämme machen ihr eigenes Ding! Und ich glaube, das ist auch gut so. Nicht alles passt überall gleich. Ich denke, es gibt viele bündisch geprägte Stämme, die ihre eigene Zielgruppe haben und die super klar kommen mit einem weitgehenden Verzicht auf Smartphones und Co. während ihrer Arbeit. Und dass es den Leuten dort - vom Wölfling bis zum RR - genau deshalb dort gut gefällt. Sonst hätten sie sich diesen Stamm ja nicht für sich gewählt. Auf der anderen Seite wird es StaFüs geben, die diese Thematik neugierig macht oder die ohnehin schon jetzt einen liberaleren Umgang mit dieser Thematik pflegen. Und die werden dann etwas anderes, für ihren Stamm passendes, daraus machen.

Und ich glaube, genau hierin liegt der Punkt: Dass das Thema mal grundsätzlich mit unserer Arbeit abgeglichen und dass geschaut wird, wo man beides in Einklang miteinander bringen kann. Und vor allem auch, dass man schaut, wo Gefahren liegen. Wenn daraus dann ein breiter Diskurs auf allen Ebenen wird, dann kann sich auch jeder fundiert damit auseinander setzen und auch darauf achten, dass hierbei nicht auch wichtige Dinge unserer Arbeit verloren gehen. Denn Gefahren birgt dieses Thema auf jeden Fall und erfordert wirklich einen bewussten Umgang damit. Solange sich der BdP dieser Entwicklung verschließt, macht eben jeder nach Gutdünken daraus, was er will - anstatt wirklich sinnvoll darüber nachzudenken und abzuwägen.

Hallo zusammen,
Hier wurde schon viel geschrieben das ich auch so unterschreiben kann, aber mal als Archivar: diese Diskussion ist nicht neu und sollte immer wieder geführt werden, auch auf Bundesebene. Wenn Zeit ist auch auf einer BV, ansonsten in Stufentagungen, Bundesaktionen, Bundeslager. u.Ä.
Denn die Technik, die Umwelt und die Gesellschaft ändern sich. Wie soll man denn in die Gesellschaft rein erziehen, wenn man da nicht mitgeht.
Z.B. Jota, war umstritten, da moderne Funktechnik die mit (bösen) Strom funktioniert. Anfang der 80er Jahre wurde die AG Video Filmen in Kursen kritisiert. Kein Stamm konnte sich eine Kamera leisten, das Ausleihen vom Jugendring gabs noch nicht oder war auch teuer. Trotzdem wurden bereits Videos von Stämmen gedreht. Beziehungen oder Eltern machten das möglich. Heut hat jeder eine Kamera im Handy und man kann gleich schneiden und publizieren. Das kann durchaus kreativ sein.
Ende der 80er beteiligten sich der BdP Bayern an einem Mailboxsystem der Link Vereine. Foren und E Mails bevor es das www gab und R/Rs mittendrin. Hab meine Link-M.de Adresse heute noch.
Abenteuer Computer und Abenteuer Technik Lager wurden von PJL initiiert. Heftige öffentliche Kritik aus Reihen der DPSG!
Wir waren unserer Zeit voraus, das sollten wir bleiben. Und zwar nicht nur mit dem Üblichen Konsum Verhalten, sondern in dem wir neue Wege beschreiten, wie Sofa Hajk, oder eben auch mal ein Wochenende Handy Verzicht.
Zum Thema “bündisch”: die Fraktionen, die in den 70er und 80er Jahren vielleicht gegen technische Neuerungen argumentierten standen in der Tradition des BDP der 50er Jahre. Das hat mit der bündischen Phase der Jugendbewegung wohl nur Äußerlichkeiten gemein.
Am BDP BuLa 1966 wurden Schrottautos ausgeschlachtet und aus Mofas Go Carts gebaut. Heut ökologisch undenkbar, seinerzeit Zeichen setzend!
Also immer schön modern aber auch kritisch bleiben.

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Ich glaube, dass Elektronik ( Ich möchte mal alles zusammenfassen) gehört schon heute zu unserer täglichen Arbeit, zu mindestens (aus meiner Sicht) im LV Niedersachsen. Auf Kursen triffst du Notebooks an ,auf denen gut und passende Filme zum Thema der Einheit abgespielt werden oder PowerPoint Präsentationen vorgeführt werden. Fast jeder Gruppenleiter hat ein Handy mit auf Fahrt/Lager und vieles mehr. Ich glaube wir sind schon über den Punkt hinaus, das wir darüber diskutieren müssen ,ob wir Technik bei den Pfadfindern zulassen sollen ,dafür ist es schon zu spät.

Was aber sinnvoll wäre ist das wir uns Gedanken machen ob wir Technik nur den Gruppenleiter zur Verfügung stellen wollen oder ob wir ein Konzept finden bei denen wir auf Sipplinge mit ihrem Handy einbinden können. Dabei wäre dann natürlich auch wichtig die Förderung der Medienkompetenz.

Worauf man aufpassen sollte, ist dass es immer sein kann das sicher wer kein Handy leisten kann, und dadurch Neid oder Ausgrenzung passieren kann. Was ich mir unter älteren Pfadfinder nicht vorstellen kann, aber bei Jugendlichen im Sipplingsalter schon.

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Kann ich alles nachvollziehen, nur muss man es den Menschen dann auch erklären - und hier sehe ich ein klares Defizit: Oft nicht erklärt, sondern (wie ich oben schon beschrieben habe) einfach verboten…

Das heißt die Frage wäre dann eigentlich nicht “Nutzen wir moderne Medien?” sondern

“Wir können wir die Dinge die aktuell sowieso schon geschehen (und auch wohl nicht mehr verschwinden werden) dann auch tatsächlich in unsere Arbeit mit integrieren?”

Denn da gebe ich dir schon recht: Es ist nun mal so, dass die Sachen schon mehr oder weniger (zumindest in den unteren Ebenen wie Stämmen und Kursen usw.) schon angekommen sind - weil sie eben oftmals die Arbeit auch stark erleichtern. Ich habe nur das Gefühl, dass das im Moment nicht bewusst so wahrgenommen wird (vielleicht auch bewusst ignoriert bzw. nicht wahr haben wollen) und eher ignoriert wird nach dem Motto “Wenn wir es nur lange genug ignorieren wird es schon verschwinden!”.

Von daher denke ich schon, dass man sich damit mal beschäftigen muss. Und wenn ich vorher gesagt habe “höhere Ebenen” dann meine ich damit nicht unbedingt einen Bundesvorstand sondern eben auch Landesvorstände.

Wenn 25jährige Mitglieder von Landesleitungen die vielleicht nicht gerade sehr modern unterwegs sind und es persönlich eher traditionalistisch mögen für 16jährige Mitglieder entscheiden wie diese mit Alltagsgegenständen wie dem Smartphone (aus Sicht des 16jährigen) umzugehen haben, frage ich mich a) wie zielführend das ist und b) ob wir das so dürfen.

Natürlich finde ich auch, dass wir den Leuten auch zeigen müssen: Hey es geht auch ohne! Ich persönlich möchte auch keinen Hajk erleben, auf dem jeder beim Wandern ständig auf sein Smartphone schaut. Nur sieht die Realität eben anders aus und die sollten wir, finde ich, dann auch langsam mal akzeptieren und bewusst dann (vielleicht auch im Sinne eines Verzichts) beeinflussen.

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Hallo noch mal,

dass man als “Führungskraft” Verbote erklärt setze ich voraus. Denn wer einfach verbietet weil er es kraft Amtes kann hat klar den Job verfehlt.

Bei den Grossfahrten die ich geleitet habe hat das immer gut geklappt, wir haben teilweise sogar die Uhren ausgezogen um einfach mal ohne Zeitdruck unterwegs zu sein, und die Jugendlichen waren anfangs skeptisch und am Ende begeistert. Freiräume schaffen um sich zu entfalten fern vom Alltagsstress das sehe ich als unsere primäre Aufgabe und da haben Smartphones und sonstiger Kram keinen Platz.
Dass man Technik für Sitzungen Planungen und sonstige Absprachen nutzt ist, wie schon gesagt, selbstverständlich. Aber auf Lager und Fährt hat sowas nix verlohren. In Sippenstunden oder bei speziellen Projekten ( z.b. Sofahajk) gern aber bei unserem Kerngeschäft … Nö!

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Letztes BuLa 2013 wurde mehr als katastrophal mit diesem Thema umgegangen. -Bevormundung ohne Ende…
Ein Rückblick:
Es wurden die Steckdosen für normale Teilnehmer nur begrenzt bis fast gar nicht zugänglich gemacht. Es war mir z.B. nicht möglich meinen Kamera Akku aufzuladen. So dass ich keine Fotos mehr machen konnte :frowning:
In den AG Zeiten bin ich zu der Friseur AG gegangen, sie wollten mir eine schöne Frisur verpassen :slight_smile: Allerdings hat der Akku vom Rasierer nach wenigen Minuten den Geist aufgeben. Die Folge meine Frisur wurde nur halb fertig und dementsprechend sah ich auch aus :smiley:

Folgende Handlungspunkte liegen mir am Herzen:

  1. Wir müssen Medienkompetenz vermitteln. Das heißt sich mit diesem
    brandaktuellen Tema beschäftigen (Chancen, Nachteile, Grenzen,
    Rechtliches und Risiken)!

  2. Der Schlüssel zur paradiesischen PR ist das Internet, Mitglieder
    belohnen wenn sie Fotos von den Pfadis in Facebook & Co posten/verbreiten!

  3. Bevormundung, Entzug oder Strafen sind keine Nachhaltige Lösung.
    -Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen es selber “verstehen”

Ich bin optimistisch das sich die Haltung zu diesem Thema gut weiterentwickeln wird. -Gut Jagd!

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Hallo @rabe , und glaubst du das es aktuell so ist wie du es beschreibst? Und glaubst du das es im Bund einen gemeinsamen Soll-Zustand gibt mit dem alle einverstanden sind? Und sind wir schon bei diesem Soll-Zustand?

Hallo Lars, ich würde mir einen gemeinsamen Sollzustand wünschen, aber ich denke wir beide wissen das es den niemals geben wird. Wer von der Technik abhängig ist wird sich nicht die Mühe machen mal ein paar Tage oder Wochen darauf zu verzichten, denn das ist ja deutlich unbequemer. Das ist wie bei Zugaretten oder Alkohol … Süchtige sind für rationale Argumente nicht zugänglich. Was ich See ist das immer öfter in Singrunden mehr am Handy als an der Gitarre rumgefingert wird. Und mal ein Bespiel zu nenne das mir sehr gegen den Strich geht … Ich denke man darf das Moderne nicht grundsätzlich verteufeln aber das “alte” nicht vergessen … Denn wenn die Technik dann mal ausfällt sind viele heute total aufgeschmissen!

Ich denke, die guten Diskussionen hier zeigen eines sehr deutlich: das Thema “Medienpädagogik” in der einen oder anderen Form begleitet unsere Arbeit.

Ich möchte mich Lars anschließen, dass die zentrale Fragestellung lauten kann: “Wie können wir die Dinge, die aktuell sowieso schon geschehen (und auch wohl nicht mehr verschwinden werden), dann auch tatsächlich in unsere Arbeit mit integrieren?”

Auch wenn die Umsetzung am Ende sicherlich bei den Stämmen bleibt, sollte es wie bei allen anderen gesellschaftspolitischen Themen im BdP eine Leitlinie des Bundes bzw. der Landesverbände geben. In der Erarbeitung des Themas sollten meiner Ansicht nach unbedingt nicht nur Entscheidungsgremien einbezogen werden, sondern die Thematik muss mit jungen und alten Pfadis (z.B. auf Stufentreffen etc.) gemeinsam bearbeitet werden. Als Gremium, von dem das in Partnerschaft mit den Stämmen ausgehen kann, könnte ich mir z.B. das Bund-Land-Treffen vorstellen.

Die Frist für Anträge ist übrigens für diese BV ausgelaufen. Aber, wie weiter oben beschrieben, muss ein BV-Antrag etwas durchdachter vorbereitet werden.

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