Mehrere kritische Fragen und Klarstellungen drängen sich mir auf…
Zunächst eine Korrektur. Für unsere Bundesdelegierten gibt es sehr wohl die entsprechenden Informationen sowie Antragsdiskussionen vor den Versammlungen, hier auf Mitreden auch Austauschmöglichkeiten für alle Mitglieder. Wann warst du denn zuletzt Bundesdelegierter?
Was ist denn der vielbeschworene „Durchschnitt im Bund?“ Woran machst du diesen fest? Ich habe spitz formuliert die Vermutung, dass er deine Meinung teilt 
Dann „der Pendel des Zeitgeistes.“ Ich finde es schwierig, bestimmte Dinge im BdP nicht zu tun, weil dies eventuell bei manchen Teilen der Bevölkerung auf negative Reaktionen stößt. Wenn man eben das Beispiel von Scouting America heranzieht ist es gerade gut, dass sich deren Verband gerade von der derzeitigen Regierung und dem dortigen Zeitgeist in manchen Dingen abgrenzt und (zumindest eingeschränkt) manche Werte klar vertritt.
Hergott, Scouting America (damals noch BSA) hat bis 2015 offen homosexuellen Gruppenleiter*innen die Mitgliedschaft verwehrt. Da finde ich es wirklich gut, dass sich der BdP, bzw. die Pfadfinderei in Deutschland, doch etwas abhebt. Übrigens: mit Blick auf die DACH Verbände, Großbritannien und viele anderen bildet Deutschland keinesfalls „die Ausnahme“ im Bezug auf LGBTQ Akzeptanz. Tun wir nicht so, als ob das ein exotischer deutscher Wert wäre.
Oder erwartest du, dass der BdP seine Werte anpasst, weil die „stabile Mitte“ (was auch immer das sein soll) in Deutschland nach rechts rückt? Unser Verband heißt (noch) Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, nicht Bund aller deutschen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger.
Dann bzgl. Mitgliederentscheid. Einerseits finde ich es sinnvoll, wenn die Stämme vorab die Möglichkeit haben, ihre Meinungen an die Bundesdelegierten weiter zu geben. Aber halt! Glücklicherweise sind die Bundesdelegierten ja nach ihrer Wahl bei der nächsten LDV für alle bekannt, sodass man sich vorher an diese wenden kann. Aber ansonsten denke ich auch, dass ein Mitgliederentscheid erstens weder im Sinne unserer Bundessatzung (wir treffen auch andere wichtige Entscheidungen nicht in diesem Format) noch einfach durchzusetzen wäre. Andere Formen der Partizipation gibt es ja durchaus auch, das fände ich durchaus nicht schlecht (Dazu finde ich @Smarties Kommentar gut). Und nochmal: dieses Forum steht den Mitgliedern im BdP offen. Da liegt es eben auch an den Stafüs, dies in ihren Stämmen zu kommunizieren.
Bei guter Jugendarbeit als Ziel stimme ich dir zu, im Sinne von Bipi sicher nicht (wer BiPi als ideologiefrei bezeichnet hat ihn noch nie gelesen). Die von dir beschriebenen Bildungsziele werden bspw. durch gute politische Bildung verwirklicht. Das ist ja zum Glück ein stärker werdendes Feld im BdP.
Dann eine Frage: Wer wird denn im Bund deiner Meinung nach diskriminiert? Welche Fehler „fallen denn nicht in den Zeitgeist“? Und inwieweit ist das jetzt ein Argument dafür, mit diesem Beschluss nicht unsere Toleranz/Akzeptanz/etc. gegenüber LGBTQ+ Menschen offen zu zeigen?
Und zuletzt, weil auch manche hier (@Mammen) in Gemeinschaftskunde nicht aufgepasst haben und Sätze wie „Man sollte alle Meinungen akzeptieren und nicht ausschließen, was einem nicht passt oder fremdartig erscheint. Das sind wichtige Werte unserer Demokratie“: einfach mal Toleranz-Paradoxon nachschlagen.
Herzlich Gut Pfad
Humbold